Schmiedekurs an der FS Warth

"Vom Morgen bis zum Abend spät, tönt hell des Hammers Klang und manches munt’re Lied dazu der wack’re Hufschmied sang." (Gedicht "Schmied vom Fichtelgebirge")

Natürlich werden in unserem Verein immer geschmiedete Dinge benötigt. Das fängt bei einem Nagel an und hört bei Beschlägen, Schmuckelementen und Haken noch lange nicht auf. Jeder, der sich mit Reenactment beschäftigt, erliegt früher oder später dem Reiz und auch dem Ehrgeiz, die Dinge selbst anzufertigen. Zum einen weil man wissen will, wie es gemacht wird und zum anderen aber auch, weil man dann mit Stolz sagen kann "das ist selbst gemacht". Das Ergebnis von Roberts erstem Schmiedeerlebnis findet Ihr hier.

Nun aber zu unserem Vereins- Schmiedekurs...

So groß die Vorfreude auf das - für einige von uns doch neue - Handwerk auch war, so erfasste uns doch schon auf der Fahrt nach Warth ein wenig Wehmut. Der erste warme „Sommertag“ (ca. 30°C) und wir „mussten“ uns ans Feuer stellen… Ein wenig „neidisch“ waren wir da schon auf unseren Wolstein, der leider nicht am Kurs teilnehmen konnte, und somit den Tag “kühler” verbringen konnte.

Der Hof der FS Warth ist sehr heimelig und die Schmiede war schwarz, ganz so wie wir es auch am Ende des Tages sein sollten. Nachdem wir unsere Gruppe Schmiedewilliger samt Kursleiter gefunden hatten, wurde Sanna noch schnell mit einem kleinen Geburtstagsgeschenk von uns überrascht. Alle waren zu diesem Zeitpunkt noch hoch motiviert, was sich jedoch rasch ändern sollte...

Zuerst stand ein wenig Theorie auf dem Programm. Dann warfen wir uns in Schale. Soll heißen: Grétlins pinke Ballerinas in die Ecke, das gute Shirt flink in die Tasche und die Arbeitskleidung angezogen. Lederschürze und Handschuhe dran und fertig!

Einige von uns hatten sich schon zuhause Gedanken gemacht, was entstehen sollte und auch für unser Lader sollten ein paar Haken herausspringen.

Wie gesagt … sollten.

Nachdem alle hochmotiviert begonnen hatten die Grundtechniken auszuprobieren, die uns der Kursleiter vorgegeben hatte, ging der Spaß für Thies und Grétlin nahezu sofort flöten. Thies hatte zunehmend Probleme das Metall überhaupt erst heiß zu kriegen, weil er die „Herrschaft des Feuers“ noch nicht an sich gerissen hatte. Und auch Grétlin steckte lange Zeit im unfairen Kampf darum überhaupt einen Platz am (im!) Feuer zu erhaschen, denn einige der anderen Teilnehmer waren nur darauf bedacht ihre eigenen Stücke zum Glühen zu bringen und legten teilweise sogar ganz frech Grétlins Stücke einfach zur Seite. Diese Rücksichtslosigkeit zog sich bis zum Kursende hin. Werkzeuge verschwanden und irgendwann hatte jeder der beiden gar eine eigene kleine Feldschmiede ergattert, während wir zu viert an einer standen. Allerdings hatte das den Vorteil, dass jeder jedem helfen konnte, indem er mit anpackte oder die Motivation der anderen wieder aus dem Keller holte.

Wir vom „Weibsvolk“ bemerkten sehr schnell, dass Schmieden nicht unser neues Lieblingshobby werden würde, aber wir können stolz sagen, dass wir es ernsthaft versucht haben! Während Robert im Inneren der Schmiede werkelte und Grétlin ihm ab und an zur Seite stand, liefen Romanus und Thies zur Bestform auf. Allerdings auch erst nach der Mittagspause in welcher wir unabhängig voneinander dasselbe bestellten - F L E I S C H … :-)

Alle Hoffnungen jemals etwas Brauchbares zu schmieden waren uns Mädels zusammen mit unserer Motivation in großen Schritten davongelaufen. Naja, theoretisch hatten wir schon viele Dinge im Kopf fertig „geschmiedet“, aber praktisch kamen echt seltsame Dinge dabei heraus. Sollten wir in eine mittelalterliche Schlacht geraten, hätten wir unsere Werkstücke immerhin noch nach dem Feind werfen können. Diesen Zweck hätten die verkorksten Stücke geradezu vorbildlich erfüllt.

Robert schien auch nicht ganz so zufrieden, nachdem er stundenlang an einer Speerspitze werkelte und am Ende einsehen musste, dass er keine Chance hatte, die Tülle gleich mit an die Spitze zu bekommen.

Thies schaffte es in der Zwischenzeit erfolgreich einen „historischen“ Fund aus der Eisenzeit zu imitieren. Grétlin bog und hämmerte einen halbwegs ansehnlichen Armreif zurecht, der ihr dann im letzten Glühen ins Jenseits versprühte.

Thies begann sich Schritt für Schritt zu etwas wirklich Brauchbarem vorzuarbeiten. Ein Schritt dabei war z.B. eine Art … Fliegenklatsche aus Metall für die besonders widerstandsfähigen der lästigen Viechterl. Man könnte es aber auch zum Umgraben eines Feldes benutzen oder vielleicht für mittelalterliches Tennis? Man könnte es also als eine Art Universalwerkzeug beschreiben – für sachdienliche Hinweise zur Nutzung sind wir sehr dankbar! Dann schlug Thies' große Stunde und er ging zur Massenproduktion über... zur Massenproduktion von wirklich schönen Laternenhaltern für den Boden. Davon entstanden innerhalb kurzer Zeit gleich vier Stück!

Romanus entschloss sich es Grétlin gleich zu tun und ein Schmuckstück anzufertigen. Und so entstand eine wirklich schöne Fibel, die sich sehen lassen kann.

Sanna unnützte ebenso wie Grétlin herum und wir hatten richtig Spaß dabei. Sehr zum Leidwesen von Romanus, denn wir sind Mädels und damit multitaskingfähig. Wir waren somit in der Lage zu quatschen UND Unfug zu treiben während wir Wurfgeschosse und Abfallprodukte schmiedeten. Und das natürlich *mit* dem nötigen Ernst! :-D

Das war sowieso den ganzen Tag der Fall:trotz Motivationsverlust und dem Entstehen undefinierter Metalldingense, haben wir viel gelacht und v orallem viel Spaß gehabt.

Ein paar Haken und Heringe (oder Dinge, die man zufällig als solche verwenden könnte) sind dabei auch herausgesprungen.

Die Verpflegung vor Ort war super und sogar Kaffee & Kuchen wurden herangeschafft.

Apropos Wurfgeschosse … Auch Robert beteiligte sich ganz konzentriert an dieser Aktion und versuchte mit Hilfe seiner entstehenden Speerspitze und eines wackligen Schraubstocks das angrenzende Gebäude nieder zu reißen um Platz für einen Neubau zu schaffen. Dumm nur, dass das bereits ein Neubau war!

Überhaupt sorgte er mit seiner spannenden „Feuershow“ für Unterhaltung. Etwa, als er mit der Flex hantierte und dem Kursleiter den Angstschweiß auf die Stirn trieb, weil er die Funken – welche übrigens echt spektakulär aussahen – in Richtung der Holzfenster fliegen ließ.

Gegen Ende des Kurses war es an Antsazigo hängen die Spuren des Tages zu beseitigen. Wir putzten die Schmiede wohl blanker als sie jemals zuvor gewesen war; brav wie wir eben sind…

Unser Anblick trug zur gegenseitigen Belustigung bei und erregte auch im nahe gelegenen Supermarkt Ansprache. (Eine Gruppe Jugendlicher tuschelte, dass wir aussähen wie die Schweine.) Wir sahen ja auch wirklich aus als hätten wir Kamine gefegt.

Alle sehnten sich nach der erlösenden Dusche bei Sanna und so ging es dann auch schnell, dass wir wieder ansehnlich wurden und zum Grillen und Quatschen übergehen konnten. Zusammen mit zwei weiteren netten Pärchen und einer wunderschönen Hündin hatten wir einen tollen Abend. Vor lauter Reden rückte der ursprünglich geplante Spieleabend in weite Ferne – bis sich die ersten auf Sannas gemütlicher Couch einfanden, den Blick auf das Brettspiel vor der Nase fixiert. Thies und Grétlin hatten das Spiel auch schon vor Augen und die Brettspielsucht brach sich ihre Bahn.

Aber „im Auftrag ihrer Majestät“ brachten wir den Papa Robert pünktlich nach Hause zu seinen Mädels und waren dann mit schmerzenden Muskeln und kratzendem Hals auch irgendwie einfach nur noch froh endlich zuhause zu sein.

Es war insgesamt wieder, so wie immer, ein wunderschöner Tag, der aber noch ein paar Tage nachwirkte …

Mehr Bilder könnt Ihr hier in unserer Gallerie sehen. Ein paar Fotos kommen demnächst noch dazu. Also schaut ruhig immer mal bei uns vorbei. :-)