Sitzbank und Tisch

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Idee und Maße

Die hier abgebildete Sitzbank und der dazu gehörige Tisch wurden zwar von mir gebaut, dennoch stammen Aussehen, Bauweise und Maße teilweise aus Büchern und Internet wo in einschlägigen Foren auf den Bau historischer Möbel eingegangen wird.

Die abgebildeten Möbel sollen in erster Linie als Idee und Inspiration dienen, daher sind sämtliche Maße auch individuell anpassbar und richten sich einerseits nach den vorhandenen Holzmaterialien, andererseits nach den Körpermaßen des Nutzers. Ein 1,60 m kleiner Zwerg benötigt andere Maße als ein 2,00 m großer Riese.

Materialien

Und eines gleich vorweg: Fans von Spanplattenschrauben, Tackern, Druckluftnaglern und computergesteuerten Holzbearbeitungsmaschinen brauchen ab hier nicht mehr weiter zu lesen. Denn bei meiner Bauweise der hier vorgestellten Möbel gibt es keine Schrauben, Nägel, Klammern und Winkel. Leim und Holzdübel sind die Ausnahme und werden auch nur an bruchgefährdeten Stellen (das sind vornehmlich die Eckteile von Sitzfläche und Tischplatte) zur Versteifung verwendet. Die einzigen modernen Maschinen die ich verwende sind Stichsäge, Bohrmaschine, Elektrohobel und Handkreissäge. Und diese werden auch nur wenn wirklich notwendig angewendet. Ansonsten kommen Japansäge, Flach- und Halbrundraspel und diverse Schleifpapiere zum Einsatz.

Als Anstrich und Wetterschutz kommt ein Leinölfirnis-Terpentingemisch zum Einsatz. Wer will kann auch geeignete Beizen, Öle oder Wachse verwenden, da Leinölfirnis aufgrund der langen Trocknungszeit und meist klebrigen Eigenschaft nicht jedermanns Sache ist. Für die Bank wurde als Ausgangsmaterial eine sogenannte Künettenlatte (meist Fichte, Tanne ) verwendet. Für diejenigen die mit diesem Begriff nichts anzufangen wissen, es handelt sich hier um Bretter die auf Baustellen zur Ausschachtung der Gräben verwendet werden. Es gibt sie in unterschiedlichen Längen und Breiten und sie haben die ideale Stärke von rund 40mm, welche identisch mit den im Mittelalter verwendeten Holzstärken ist. Eiche wäre zwar authentischer, kostet aber um einiges mehr. Für den Tisch habe ich testweise Leimholz in der Stärke von 28 mm verwendet. Ich weiss das ist nicht authentisch, aber wie bereits gesagt habe ich dieses nur testweise verwendet.

Bauweise

Die Bauweise ist im Großen und Ganzen bei Bank und Tisch die gleiche. Alles wurde in Steckbauweise gefertigt. Wer sauber arbeitet kann die Teile nachher problemlos zusammenfügen und auch wieder auseinander nehmen. Die Verbindungen dürfen aber nicht lose sein, also praktisch kein Spiel aufweisen. Ansonsten wackelt alles nur ungewollt hin und her. Die Maße der Aussparungen, also die auf den Bildern sichtbaren Zinken richten sich auch nach der jeweiligen Brettstärke und Breite der Bretter. Die Proportionen sollten optisch gut zusammenpassen. Kleiner Tipp am Rande: Holz lebt! Also verändert es je nach Luftfeuchtigkeit und eigenem Feuchtegehalt seine Maße. Wer alles zu früh zuschneidet wird irgendwann bemerken, dass so manches Teil nicht mehr recht passt. Daher fertige ich zuerst die Steher an, dann das unter der Sitzfläche bzw. Tischplatte befindliche Querbrett. Wenn alles genau passt werden Sitz- bzw. Tischplatte verkehrt herum auf den Boden gelegt und das Gestell ebenfalls kopfüber darauf gelegt. Jetzt können die exakten Maße für die Zinken nach Ausrichtung der Teile mit Bleistift übertragen werden. Spätestens jetzt sieht man, daß sich das Holz schon ein wenig verzogen hat.

Daher erst Holz kaufen und mindestens 14 Tage daheim lagern. Längere Trocknungszeiten wären besser, aber bitte nicht in unmittelbarer Ofennähe da sonst aufgrund zu schneller Nachtrocknung die Rissbildung vorprogrammiert ist. Man erspart sich dann mitunter eine Menge unnötigen Ärger. Wichtig ist auch, um den Möbeln ein antikes Aussehen zu geben, dass nach dem Zusammenbau alle Kanten (außer die in den Verbindungen) mit Raspel und Schleifpapier unregelmäßig gerundet werden. Dieses Vorgehen lässt Möbel alt und gebraucht aussehen. Ich sehe aber immer wieder auf Märkten und Festen, dass vielen diese Arbeit scheinbar zuviel ist, drum sehen deren Möbel auch so aus, als wären diese in irgendeinem billigen Möbelhaus gekauft worden. Das Runden der Kanten hat auch einen Sicherheitsaspekt, da dadurch das Aufsplittern weitestgehend unterbunden wird. Nun zu den ebenfalls auf den Bildern sichtbaren ausgeschnittenen Spitzbogenornamenten. Zum anzeichnen habe ich als Hilfsmittel Kochtöpfe, ovale Bratentöpfe, Schüsseln und ähnliches verwendet. Man muss aber auch beachten in welcher zeitlichen Epoche man sich bewegt, denn jede Zeit hat ihren eigenen Stil und dementsprechend müssen auch die Verzierungen angepasst werden.