Darstellung: Ostfränkischer Adel

Darstellung eines ostfränkischen Adeligen

Herrschaftsverhältnisse im Ostfrankenreich / in der Ostmark

Vertrag von Verdun

Vertrag von Verdun1.)

In diesem Artikel soll herausgearbeitet werden, wie sich Menschen gewandet haben, die als Adelige des ostfränkischen Reiches im Gebiet des heutigen Ostösterreichs ansässig waren. Im Vertrag von Verdun wurde 843 die Trennung des fränkischen Reiches in das west- und ostfränkische Reich sowie Italien und Burgund zwischen den drei Enkeln von Karl dem Großen besiegelt.2.). Die Gebiete des heutigen Ostösterreich waren zwar davor nicht Teil des fränkischen Reiches3.), wurden aber im Vertrag von Verdun dem ostfränkischen Reich angegliedert.4.)

Arnulph von Kärnten (Abbildung aus 1888)

Arnulph von Kärnten5.)

Die Verwaltung des ostfränkischen Reiches geht auf die Karolinger über6.). Die Abbildung von Arnulph von Kärnten kann einen Eindruck vermitteln, wie sich ein Adeliger gekleidet haben könnte. Allerdings ist diese Abbildung 18887.) entstanden und somit muss man die Details mit Vorsicht beachten.

Ab 976 n. Chr. geht die Herrschaft über die "Marcha orientalis", wie die Ostmark lateinisch bezeichnet wird, auf die Babenberger über.8.) Die Ostmark war aber weiterhin ein Teil des ostfränkischen Reiches, welches bis 1024 von den Liudolfinger (bzw. Ottonen) beherrscht wurde.9.) und ab 1024 von den Saliern.10.).

Ostfränkische Mode

Vorherrschende Modeform war daher die sog. fränkische Tracht, die aus der germanischen und römischen Kleidung hervorging. Beeinflusst war diese Modeform jedoch von der katholischen Kirche, die eine Verhüllung des Körpers forderte. Farbenfrohheit war ein Wesenszug des Mittelalters. Bunte Gewänder wurden von beiden Geschlechtern bevorzugt, wobei Kleiderordnungen gewisse Farben und Stoffe den Adeligen vorbehielten. Benutzt wurde feines Leinen sowie Samt, Seide und Brokat. Auch Borten wurden auf die Kleidungsstücke aufgenäht.11.)

Die Wahl der Farbe zeigte den gesellschaftlichen Status. Besonders die Dauerhaftigkeit der Farbe, die durch teures Färbebeizen erreicht wurde, machte den Unterschied zwischen dem einfachen Volk und dem gehobenen Stand aus. Die vor allem aus Adeligen und Kaufleuten bestehende Oberschicht setzte auf Rottöne, leuchtendes Gelb (keinesfalls fahles Gelb) und Grün. Blasses Blau war durchaus einfach herzustellen, ein kräftiges Blau war aber nur mit dem teuren Farbstoff der Indigopflanze möglich und daher auch der Oberschicht vorbehalten. Ansonsten wurde noch von allen Braun oder Schwarz getragen. Die Zweiteilung der Kleidung in zwei farbliche Hälften (sog. "Mi-Parti") kam erst im Spätmittelalter auf und war ein Kennzeichen unfreier Menschen, die im Dienstverhältnis zu einem Herrn standen.12.)

Frauenkleidung

Bis zum 11. Jhdt. hatte das Frauenkleid einen tunikaähnlichen Schnitt. Es war langärmelig, gegürtet und mit Borten verziert. Das Untergewand kam am Ausschnitt und an den Ärmeln zum Vorschein und sollte bis zum Boden reichen. Zum Handgelenk hin erweiterten sich die ansonst engen Ärmel. Als Mantel diente ein über die Schulter gelegtes Stoffstück, welches mit einer Agraffe geschlossen wurde. (Rechteckmantel) Die Cotte, welche sich der Körperform anpasste, kam erst im 12. Jhdt. auf. Den Surcot sowie der Tasselmantel (Halbkreismantel) kamen ebenfalls erst nach dem 11. Jahrhundert auf.13.)

Ab 1100 n. Chr. war es üblich, dass verheiratete Frauen in der Öffentlichkeit ihr Haar bedecken mussten. Dazu trugen sie ihren Mantel über dem Kopf oder Kopftücher, Schleier, Kopfbinden oder ein Gebende. Unverheiratete Frauen verzierten ihre Haare mit dem Schapel, einem Stirn- oder Kopfreifen aus Metall oder Blumen.14.)

Männerkleidung

Männer trugen Hemd, Hose, Leibrock und Mantel. Der Leibrock war knielang mit langen, geraden Ärmeln sowie einem runden oder viereckigen Ausschnitt. Das darunterliegende Hemd war weit und lang. Die Hose bestand aus zwei langen Beinlingen, über die an den Unterschenkeln Beinbinden gewickelt wurden. Auch kurze Hosen waren üblich. Die Beinlinge wurden an einem Leibgurt befestigt. Den Rechteckmantel legte man um die linke Schulter und fibelte ihn auf der rechten. Erst im 12. Jahrhundert kam die Cotte und der Surcot auf. Die Beinlinge dienten hier nur noch als Unterbekleidung. Kopfbedeckungen waren bei Männern - außer bei der Kriegstracht - selten. Später kamen Kappen und Hüte mit spitzem Kopf auf.15.)

Eine weitere Variante für ein Übergewand ist der Klappenrock, welcher in der Völkerwanderungszeit durch Hunnen und Awaren nach Europa gebracht wurde und sich langsam in ganz Europa in der Mode festsetzte16.).

Fußbekleidung & Schmuck

Beiderlei Geschlechter trugen zur Fußbekleidung Bundschuhe oder pantoffelartige Schlupfschuhe und Ledersocken. Ab 1100 kamen absatzlose Schnabelschuhe auf. Als Schmuck wurden Gürtel, Fibeln, Ketten, Schwertbehänge, Stirnreifen uvm. getragen. Echte Perlen oder Glasperlen dienten der Verzierung.17.)

  1. Wikipedia: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Treaty_of_Verdun.svg
  2. vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun
  3. vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Marcha_orientalis#Grenzmarken_Karls_des_Gro.C3.9Fen
  4. vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Marcha_orientalis#Die_.C3.84ra_Ratpots
  5. Wikipedia: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Die_deutschen_Kaiser_Arnulph.jpg
  6. vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Marcha_orientalis#Die_Karolinger_.C3.BCbernehmen_pers.C3.B6nlich_die_Leitung_des_Ostlandes
  7. vgl. Max Barack, Die deutschen Kaiser, 1888, http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00000153
  8. vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Markgrafen_und_Herz%C3%B6ge_von_%C3%96sterreich_im_Mittelalter
  9. vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Liudolfinger
  10. vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Salier#Die_wichtigsten_Familienmitglieder
  11. vgl. Eberle et al., Fachwissen Bekleidung, Verlag Europa-Lehrmittel, 2007, S. 266
  12. vgl. Wolf Zerkowski und Rolf Fuhrmann, Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen, Zauberfeder GmbH, 2007, S. 15f
  13. vgl. Eberle et al., Fachwissen Bekleidung, Verlag Europa-Lehrmittel, 2007, S. 266
  14. vgl. Eberle et al., Fachwissen Bekleidung, Verlag Europa-Lehrmittel, 2007, S. 267
  15. vgl. Eberle et al., Fachwissen Bekleidung, Verlag Europa-Lehrmittel, 2007, S. 267
  16. vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Klappenrock
  17. vgl. Eberle et al., Fachwissen Bekleidung, Verlag Europa-Lehrmittel, 2007, S. 267