12. Vereinstreffen

Rüstung Anno 2013

Voll gerüstet und fast alle Mannen vom Verein im Schlepptau machten sich Sanna & Grétlin auf um die neu eröffnete anthropologische Ausstellung im Naturhistorischen Museum Wien zu erobern. Einzig unser Wolstein konnte leider nicht dabei sein. Um kurz nach zehn trafen wir uns vorm NHM und stellten fest, dass wir uns den falschen Tag ausgesucht hatten um unseren Wissensdurst zu stillen. Die Sonne strahlte uns den Frühling ins Gesicht und wir haben zugegeben kurz darüber nachgedacht, doch lieber etwas im Freien zu unternehmen, aber pflichtbewusst und zielstrebig wie wir sind, haben wir beschlossen dem Frühling zu widerstehen und uns in die Welt der Affen, Homo Sapiens, Langhalsdinosaurier und der "Badener Kultur" zu begeben.

Es gab beeindruckend viel zu sehen und zu entdecken, was sogar einen eigentlichen Museumsmuffel beeindruckte, aber unser Fazit war am Ende recht eindeutig: Mehr Informationen zu den einzelnen Themen und ein wenig mehr Liebe zum Detail hätte uns allen besser gefallen!

Die Sammlung ist riesig, aber oftmals fehlten wirkliche Informationen dazu, oder die Beschreibungen waren falsch deponiert. Besonders ins Auge sticht der Ausstellungsteil um die Färberei und die Stoffeherstellung. Hier wurden alte und neue Stoffe so sehr vermischt und undeutlich getrennt, dass man eine Mutter dabei hören konnte, wie sie ihrem Kind erklärte, dass der deutlich erkennbare Nikistoff schon ganz ganz alt ist und die damals mit der Hand gemacht wurden. Als an altem Handwerk wirklich Interessierten jagt einem so etwas schon Schauer über den Rücken. Ebenso fehlen weitergehende Informationen. Alles ist eher sehr oberflächlich gehalten und teilweise wirklich einfach falsch dargestellt, wobei man merkt, dass das Interesse dafür eigentlich vorhanden ist. Auch die Meinung eines älteren Herren zu seinen Freunden, dass Frau und Mann Wirtel als Schmuck an Kleidung tragen, konnte dank Grètlin aufgeklärt werden. Solche Dinge könnte man besser darstellen und erklären. Von einem Museum dieser Art erwartet man sich teilweise einfach mehr, gerade was den "Bildungsauftrag" angeht.

Sehr positiv fiel uns hingegen auch Vieles auf. Die Animation zum Mitmachen und Entdecken für Kinder ist toll! Auch die Veranschaulichung und Darstellung gerade in der Handwerksausstellung ist wunderbar, denn hier kann der interessierte Besucher sehen, wieviel Arbeit wirklich in einem Kleidungsstück liegt, wenn man alles selbst macht. Vom Schafscheren angefangen, übers Kardieren, Verspinnen, Färben bis hin zum Weben. Hier wird deutlich erklärt wie man was macht und wie lang es ungefähr dauert, wenn ein geübter Handwerker dies tut. Sehr beeindruckend und das Herz eines Mittelalter- Reenactors erfreuend, denn so sieht der Normalbesucher wirklich, wofür die Preise auf Festen und Märkten stehen, wenn es um handgefertigte Dinge geht.

Die Räume des Museums sind beeindruckend groß und herrlich gestaltet. Wenn man sich in eine Ecke setzt und den Blick entlang der Decke schweifen lässt kann man viel entdecken. Die Figuren sind wunderschön gearbeitet und auch, wenn der Zahn der Zeit Risse in die Decken bannt, lohnt es sich, einfach mal die Blicke nach oben zu richten.

Für uns als Liebhaber etwas härterer Musik war es zb. sehr witzig zu entdecken, dass das "Wackenlogo" ebenfalls in der Deckenbordüre verarbeitet ist. Natürlich war das nicht der Sinn dahinter, aber wir haben sehr gelacht.

Als sich nach ein paar Stunden der Hunger zu Wort meldete, zerrten wir Thies förmlich von den Edelsteinvitrinen weg, und liessen den Tag bei Rauchbier, Gulasch und wertvollem Ketchup ausklingen.

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